Archäologie in Niedersachsen 3, 2000

Vorwort

Was für eine Wende — auf in das neue Jahrtausend! Aber der Altertumsforscher nimmt solch ein Spektakel eher gelassen, für ihn ist die bloße Zahl kein historisches Ereignis, sondern nur zufälliger Teilstrich auf der Skala zum Messen der Zeit. Nebenbei angemerkt: Es spricht manches dafür, das neue Jahrtausend korrekterweise erst mit dem Jahr 2001 beginnen zu lassen. Immerhin kann Archäologie in Niedersachsen nun von sich behaupten, schon im vergangenen Jahrhundert begründet worden zu sein. Dabei geht sie mit dem vorliegenden Band in ihr drittes Jahr und zeigt ein mittlerweile gefestigtes Profil, das eine stetig wachsende Zahl von Anhängern gewonnen hat. Eine treue Stammleserschaft beobachtet sehr genau, wie es mit der archäologischen Forschung in unserem Bundesland vorangeht. Diesem Informationsbedürfnis wollen die Fachleute auch in diesem Heft wieder nachkommen. Die Redaktion ist den zahlreich mitarbeitenden Kolleginnen und Kollegen zu Dank verpflichtet. Abbitte hat sie jenen zu leisten, deren Beitrag nicht aufgenommen werden konnte, weil wesentlich mehr Manuskripte eingegangen waren, als abgedruckt werden konnten.

Auf dem Streifzug durch die schriftlosen Epochen unserer Geschichte können auch diesmal wieder spektakuläre Neufunde gesichtet oder kleine Beobachtungen am Rande des Weges gemacht werden. Den aktuellen Schwerpunkt bildet die Römische Kaiserzeit, auch Römische Eisenzeit genannt, jene Epoche, die am Beginn unserer Zeitrechnung stand. Etwas augenzwinkernd und mit Blick auf das „Millennium“ heißt deshalb das Thema: Niedersachsen vor 2000 Jahren. Immerhin 16 Beiträge beschäftigen sich facettenreich mit dem Zeitabschnitt, an dessen Beginn die „Germanen“ durch den Kontakt mit dem Römischen Reich in das Licht der Geschichtsschreibung getreten sind. Caesar hat diesen Oberbegriff für verschiedene Stämme im Norden etabliert, deren einzelne Namen dann durch spätere römische Geschichtsschreiber überliefert worden sind. Niedersachsen vor 2000 Jahren wird in diesem Band auch durch die Brille des Botanikers gesehen. Die Rekonstruktion der Umwelt ist ja ebenfalls ein Anliegen der archäologischen Disziplin.

Die Römische Kaiserzeit in Niedersachsen kann seit geraumer Zeit nicht mehr losgelöst von einem kleinen Ort im Landkreis Osnabrück gesehen werden. Bei Kalkriese sind in solch überwältigender Zahl Hinweise auf militärische Auseinandersetzungen zwischen Römern und Germanen gefunden worden, daß kein Zweifel mehr daran bestehen kann, dort den Ort der Varus-Schlacht zu sehen. Im Jahre 9 hat sich auf niedersächsischem Boden Weltpolitik entschieden! Das rechtfertigt, innerhalb des Schwerpunktthemas diesen Forschungsergebnissen ein besonderes Gewicht zu geben. Dankenswerterweise haben alle maßgeblich an dem Projekt Beteiligten dazu beigetragen.

Die Archäologie in Niedersachsen ist das jüngste Kind der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e.V., dem Zusammenschluß aller hauptamtlich im Lande tätigen Archäologen. Die stark zergliederte Organisationsstruktur der mit Archäologie befaßten Fachstellen — von den Unteren Denkmalschutzbehörden bis zur Universität — hat dieses in Deutschland einmalige Zusammenwirken gefördert und zu einem wirksamen Instrument heranreifen lassen. Die Kommission besteht nun seit 30 Jahren und wird auch weiterhin eine wichtige Rolle bei der gemeinsamen Arbeit spielen, wenn es darum geht, in Niedersachsen fruchtbare Forschung zu betreiben. Im Computerzeitalter wird sich dies zusehends auf elektronischem Wege vollziehen. Archäologie in Niedersachsen bringt deshalb jetzt erstmalig die E-mail-Adressen von Archäologen im Internet sowie Hinweise auf bereits vorhandene Homepages. Dieser Service soll noch ausgebaut werden, schließlich lassen sich hier und da schon Hinweise auf aktuelle Funde abrufen.

Die Redaktion

AiN 

Vorwort AiN 4

Hauptseite