Archäologie in Niedersachsen 5, 2002

Vorwort

In Verbindung mit dem diesjährigen Tagungsthema der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e.V. – Niedersachsen von der Spätantike bis zur Karolingerzeit – hat die Redaktion der Archäologie in Niedersachsen die Völkerwanderungszeit als Schwerpunktthema für den vorliegenden Band gewählt. Dabei stand auch im Hintergrund, im Zeichen des zusammenwachsenden Europas Aspekte der Entstehung dieser Völkergemeinschaft aufzuspüren. Was könnte spannender und interessanter sein, als den Ursachen und Wirkungen der grundlegenden Verschiebungen und Umorientierungen nachzugehen, die strukturbildend für das Mittelalter gewesen sind? Welche Schlüsse können wir aus diesem Prozeß am Ende der antiken Welt ziehen, der über das Mittelalter hinaus bis in unsere moderne Zeit nachwirkt?

Die eingelieferten Beiträge zu diesem Thema zeigen rasch den Nachholbedarf, der bezüglich solcher Fragestellungen in Niedersachsen besteht. Die Archäologie hat zwar punktuell Erfolge erzielt und kann beachtliche Einzelergebnisse vorlegen, aber – das wird hinreichend deutlich – die umfassende gemeinsame Forschungslinie fehlt und wird anscheinend für einen so wichtigen Bereich unserer Landesgeschichte kaum verfolgt. So ist in den vergangenen Jahren zwar das Fundmaterial einiger sächsischer Gräberfelder bearbeitet und veröffentlicht worden, auf dem Gebiet der Siedlungsforschung sind jedoch neue Erkenntnisse allenthalben im Zuge von Rettungsgrabungen zutage gekommen.

Beiträge zu den älteren Epochen sind in diesem Band leider wieder in der Minderzahl. Herausgeber und Redaktion würden sich freuen, wenn zukünftig mehr Artikel zu Themen aus Stein- und Bronzezeit eingereicht werden würden. Dagegen bieten die zahlreicheren Beiträge über das Mittelalter und die Neuzeit in diesem Band ein weites Spektrum von Zeugnissen der Frömmigkeit über Straßenbau bis hin zu Gläsern und Öfen. Das Übergewicht mag sich sowohl aus den allgemein besseren Erhaltungsbedingungen als auch durch vielfältigere Fundensembles erklären, die meist auch für Nichtarchäologen leichter erkennbar sind.

Als wichtiger Themenkomplex in Archäologie in Niedersachsen entpuppt sich zusehends das Feld der experimentellen Archäologie und Präsentation. Wie die Erfahrung zeigt, finden derartige Projekte in der Öffentlichkeit reges Interesse. Dabei gelingt es stets, auf überzeugende Weise ein breites Publikum zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit anzuregen – ein Trend, welcher der allgemeinen Akzeptanz archäologischer Tätigkeit zuträglich ist und gewiß noch zunehmen wird.

Abschließend können wir mit Freude vermelden, daß das Land Niedersachsen nach fast fünfjähriger Vakanz die Stelle des Landesarchäologen beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege wiederbesetzt hat. Wir wünschen dem Kollegen Dr. Henning Haßmann viel Erfolg und eine glückliche Hand!

                                                                Die Redaktion    

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