Archäologie in Niedersachsen 7, 2004

Vorwort

In dem siebenten Band stellt Archäologie in Niedersachsen als Schwerpunktthema Schätze und Horte vor - alte und gefundene. Manch einer denkt dabei an den Schatz der Nibelungen, den Fafner in Drachengestalt bewachte, oder an Truhen voller Gold, Münzen und edlem Schmuck, die von blutrünstigen Wikingern an Englands Küsten oder mordlüsternen Piraten in der Karibik zusammengeraubt wurden. Anschließend vergraben, um sie dem Zugriff Unbefugter zu entziehen, mußten so viele Reichtümer gehortet sein, daß man sich dereinst am Lebensabend darauf ausruhen konnte. Allerdings kam es nur in den seltensten Fällen dazu, und Forscher wie "Indy" Jones, Lara Croft oder Prof. Fox, die im Dienste der Wissenschaft die wildesten Abenteuer zu bestehen haben, schicken sich an, die Kostbarkeiten zu heben - soweit die von Hollywood kolportierte Schatzromantik. Allzu häufig wird dieses Image auf alle Altertumsforscher der grabenden Zunft übertragen.

2004 ist für die Denkmalpflege in Niedersachsen ein Jahr, das von zwei Ereignissen geprägt wird: Zum einen führt die von der Landesregierung beschlossene Veränderung der Behördenstruktur dazu, daß die Bezirksregierungen aufgelöst werden, die Landesverwaltung künftig also "verschlankt" und in gestraffter Form nur noch zweistufig aufgebaut sein wird. Zum anderen sollen die Aufgaben der bisherigen Oberen Denkmalschutzbehörden ganz wesentlich den Kommunen übertragen werden. Diese unterstehen künftig mit ihren gesamten denkmalpflegerischen Aufgaben der Aufsicht des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur in Hannover. Dem Landesamt obliegen keine Aufsichtsbefugnisse über die Kommunen. Wie wird es danach in den Städten und Landkreisen sein, in denen zumeist kein entsprechendes Fachpersonal vorhanden ist?

Ist es da nicht geradezu symptomatisch für die damit verbundene Neuorientierung der staatlichen Denkmalpflege, daß das Landesamt aus der Hauptstadt in die Peripherie verlagert werden soll? Drückt sich hierin der zukünftige Stellenwert der Denkmalpflege aus, wie ihn die Landesregierung sich vorstellt?

Archäologisches Brachland scheint da großflächig vorprogrammiert. Gleichwohl tritt der niedersächsische Städtetag in seiner Stellungnahme vom 10.12.2003 "... mit Nachdruck dafür ein, weiterhin alle unteren Bauaufsichtsbehörden ... die Aufgaben der unteren Denkmalschutzbehörden zu übertragen. Bei diesen Behörden ist der erforderliche Sach- und Fachverstand vorhanden, so daß auch gleichzeitig jegliche Überlegung Überlegung zurückzuweisen ist, über das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz oder andere Wege Anforderungen an Ausstattung und Qualifikation der unteren Denkmalschutzbehörden einzuführen." Tatsächlich sind aber von den 93 Unteren Denkmalschutzbehörden in 55 Städten und 38 Landkreisen derzeit insgesamt nur 22 mit archäologischem Fachpersonal besetzt!

Vor diesem Hintergrund ist es heute umso wichtiger, ein Ereignis hervorzuheben, das vor 25 Jahren stattfand: Am 1. April 1979 trat das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz in Kraft. Um diese wichtige Grundlage der archäologischen Arbeit in unserem Lande zu würdigen und um die Erfolge der niedersächsischen Archäologie im Zeitraum seither darzustellen, beginnt im November 2004 im Landesmuseum für Mensch und Natur in Oldenburg die Ausstellung ArchäologieLandNiedersachsen. 25 Jahre Denkmalschutzgesetz - 400 000 Jahre Geschichte. Neben so genannten Highlights der Archäologie wird der denkmalpflegerische Alltag mit seinen Erfolgen, aber auch mit seinen Problemen im Jahrhundert mit dem bisher größten Flächenverbrauch veranschaulicht.

Das Jubiläum des Denkmalschutzgesetzes sollte auch dazu anregen, darüber nachzudenken, welchen Stellenwert die archäologische Denkmalpflege in Niedersachsen einnehmen soll. Täglich werden Denkmäler zerstört, gewiß oft unwissentlich. Wir sollten uns aber dessen bewußt bleiben und anderen bewußt machen, daß die Quellen des Bodenarchivs bei der Intensivierung der Landwirtschaft und dem stetig wachsenden Flächenverbrauch durch Überbauungen nicht unerschöpflich sind und wir (Politiker und Archäologen) eine gemeinsame Verantwortung für die Bewahrung unseres kulturellen Erbes tragen.

Die Redaktion

AiN

Vorwort AiN 8: Juni 2005!

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