Archäologie in Niedersachsen 12, 2009

Vorwort

Mit diesem Band wird ein besonders sensibles Thema der Archäologie aufgegriffen. Der Schwerpunkt widmet sich "Tod, Bestattung, Ritual". Die wissenschaftlich begründete Freilegung von Gebeinen und die damit verbundene Hoffnung auf besonders kostbare Grabbeigaben sind schon für das 16. Jahrhundert dokumentiert. Damals und auch noch später, als man von "Grabstätten der Heyden", "Todtenlagern" und "Gebeinen der Cherusker" sprach, fanden die sterblichen Überreste nur selten Beachtung. Selbst im frühen 20. Jahrhundert galt die Urne mehr als die zu kleinteiligen Fragmenten verbrannten Überreste der Toten. Die Skelette aus den Körpergräbern rückten dagegen schon seit dem 19. Jahrhundert in das Interesse der Forschung. Die anthropologischen Studien konzentrierten sich in Zusammenarbeit mit den frühen Altertumsforschern vornehmlich auf die Zuordnung zu Stämmen und Bevölkerungsgruppen. Ebenso beschäftigte man sich mit der Frage, wie die Menschen der Vorzeit wohl ausgesehen haben.

Heutzutage genügt es längst nicht mehr, Knochen und Funde auszugraben. Nicht nur die Archäologie hat sich weiter entwickelt, sondern auch die Möglichkeiten der naturwissenschaftlichen Analysen. Bei allen Ausgrabungen, Untersuchungen und auch musealen Präsentationen ist der Tote mit dem ihm gebührenden Respekt zu behandeln. Die Erkenntnismöglichkeiten haben sich in der interdisziplinären Zusammenarbeit deutlich erweitert und gestatten bisweilen tiefe Einblicke in die Biographie eines Verstorbenen bis zur Rekonstruktion der damaligen Lebensverhältnisse in einer Region. In der heutigen Gesellschaft sind der Tod und der Umgang mit dem Verstorbenen weitgehend aus dem Alltagsleben ausgeblendet. Von einigen Ausnahmen abgesehen, erstrecken sich selbst beim Tod hochrangiger Würdenträger die Ehrungen auf Sonderberichte in den Medien. In ur- und frühgeschichtlichen Zeiten entwickelten sich in jeder Epoche und Kultur eigene Vorstellungen von den vorzunehmenden Bestattungssitten. Sie umfaßten Rituale, Verpflichtungen und Grabbauten, bisweilen eindrucksvolle Grabmonumente. Der Archäologe stößt bei seiner Arbeit nur noch auf wenige Hinweise dieser ehemals komplexen Riten. Er hat in der engen Zusammenarbeit mit vielen Nachbarwissenschaften und unter Zurückstellung der heutigen Vorstellungen seine Schlüsse zu ziehen: eine immer wieder sensible, aber auch herausfordernde Aufgabe.

Seit dem Erscheinen des letzten Bandes der Archäologie in Niedersachsen sind einige personelle Veränderungen unter den niedersächsischen Archäologen eingetreten. Das ehemalige Redaktionsmitglied Wolfgang Schwarz ist aus dem Dienst der Ostfriesischen Landschaft ausgeschieden und in den Ruhestand eingetreten. Dem kritischen und konstruktiven Mitstreiter gilt der Dank der Redaktion für seine langjährige engagierte Arbeit. Sein Nachfolger am Dienstort Aurich wird nun Jan Kegler, den Platz in der Redaktion hat Immo Heske eingenommen. Eine weitere Veränderung ist aus Aurich zusätzlich zu vermelden. Der erste Vorsitzende der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e.V., Rolf Bärenfänger, ist zum Direktor der Ostfriesischen Landschaft bestellt worden. Seine Nachfolgerin im Amt ist Sonja König. In der Nachfolge der im September 2008 ausgeschiedenen Christiane Segers-Glocke wird mit Stefan Winghart erstmals ein Archäologe Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege in Niedersachsen. Ihnen allen wünschen wir bei ihren neuen Aufgaben viel Erfolg.

Die Redaktion

AiN

Vorwort AiN 13: Juni 2010!

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