Foto: Thies Evers / Ostfriesische Landschaft

Aufgaben und Geschichte der Kommission

Der Flächenstaat Niedersachsen hat auf seinen über 47.000 Quadratkilometern eine fast unermeßliche Fülle von archäologischen Denkmälern und Funden bewahrt. Sie sind die letzten Zeugnisse der über 500.000 Jahre alten Menschheitsgeschichte in Norddeutschland. Zu diesen „Bodenurkunden" gehören Spuren früher eiszeitlicher Menschen ebenso wie solche der ersten seßhaften, ackerbautreibenden Kulturen der Jungsteinzeit. Andere geben ein Bild von den metallverwendenden Kulturen der Bronze- und Eisenzeit. Die Funde bringen Licht in die Welt der Germanen zur Zeit der römischen Kaiser und spiegeln den Verlauf der Völkerwanderung; schließlich führen sie über das städtische und ländliche Leben des Mittelalters über die Neuzeit bis hin zur industriellen Revolution. Niedersachsen präsentiert diese Hinterlassenschaften in den verschiedensten Facetten: Von den Mittelgebirgen bis zur Nordseeküste haben die Menschen ihre Lebensgrundlage den regionalen Bedingungen allzeit sehr individuell abtrotzen müssen.

Die Archäologie packt immer dort an, wo die im Boden verborgenen Urkunden entziffert und zum Sprechen gebracht werden müssen, weil Schriftstücke und bildliche Überlieferung fehlen. Allein sie kann Fragen zur Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte beantworten, wenn andere Quellen ausfallen. Religion, Handwerk und Kunst vergangener Zeit sind nur durch die systematische Auswertung von Siedlungs- und Grabfunden u.v.m. erschließbar und verständlich.

Die Bewahrung dieses einzigartigen Erbes steht im ständigen Konflikt mit der modernen Entwicklung des Landes, die mit einer grundlegenden Umgestaltung durch Straßen- und Pipelinebau sowie der Schaffung von Neubau- und Gewerbegebieten einhergeht. Nach einer Erhebung des Niedersächsischen Landesamts für Statistik werden heute täglich 42.000 Quadratmeter Land mit Häusern und Straßen bebaut - welche Menge an Spuren unserer Geschichte geht dabei verloren?

Das Land Niedersachsen hat auf den zunehmenden Verfall seiner untertägigen Denkmäler erst relativ spät reagiert: Im Jahre 1978 löste das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz u.a. das Ausgrabungsgesetz des Deutschen Reiches von 1914 ab, gleichzeitig wurde das Institut für Denkmalpflege, heute Landesamt für Denkmalpflege, geschaffen. Vordenker auch dafür ist Prof. Dr. Herbert Jankuhn gewesen, der als Ordinarius an der Universität Göttingen schon in den 1960er Jahren für die Archäologie eine Standortbestimmung gegeben hat und landesweite Forschungsziele formulierte. Zur Bündelung der wenigen damals im Lande tätigen Fachkräfte hat er 1970 die Archäologische Kommission für Niedersachsen e.V. als Koordinierungsinstrument initiiert. Die Kommission ist von Beginn an als demokratische Institution mit Mitgliederversammlung, vierjährig zu wählendem Hauptausschuß und Vorstand etabliert worden, die Berufsverband und fachwissenschaftliche Vereinigung zugleich sein sollte. Sie sollte für das Ministerium beratend tätig sein und die archäologischen Arbeitsergebnisse veröffentlichen. So ist zusammengenommen die Förderung der Archäologischen Landesforschung in Niedersachsen in ihrer am 4. März 1970 beschlossenen Satzung festgeschrieben, sie will dies auch dort erreichen, wo Vorhaben über die Kraft eines einzelnen Wissenschaftlers oder den Arbeitsbereich einzelner Institute hinausgehen. Die Archäologische Kommission betreibt die Koordinierung von Forschungsvorhaben und die fachliche Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, außerdem stellt sie ausreichende Publikationsmöglichkeiten bereit.

Nach mehr als 40 Jahren ist die Bilanz weder ernüchternd noch ermutigend: Die Archäologische Kommission hält mit Erfolg ihre jährlichen Tagungen an wechselnden Orten in Niedersachsen ab, um den fachlichen Austausch zu fördern. Sie ist nach wie vor in Koordination z.B. mit dem Landesamt für Denkmalpflege oder der Universität in Göttingen Herausgeberin der maßgeblichen archäologischen Fachzeitschriften in Niedersachsen, allen voran den Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte, auch von Neue Ausgrabungen und Funde in Niedersachsen, dem Wegweiser zur Ur- und Frühgeschichte in Niedersachsen, den Materialheften zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsensund der Archäologie in Niedersachsen. Gerade dieses jüngste Kind schickt sich an, Brücken zu schlagen, weil es rasch reagiert und weil es sich zuvorderst an die Öffentlichkeit wendet, den „Elfenbeinturm" also nach Kräften zu verlassen sucht.

Archäologie im Wandel: Anscheinend immer enger werdender finanzieller Spielraum der öffentlichen Hand steht versus nie dagewesenem und nicht endendem Flächenverbrauch. Zugleich besitzt Niedersachsen hinsichtlich der archäologischen Denkmalpflege eine der vielschichtigsten und (von außen) undurchschaubarsten Organisationsstrukturen, die es in Deutschland gibt. Dies mag gegenüber anderen Bundesländern als Defizit empfunden werden, ist jedoch hier tagtäglich geübte Praxis und Chance für die Zukunft. Unter dem Dach der Archäologischen Kommission ist der Zusammenhalt schließlich langjährig geprobt worden: Archäologen bei den Kommunen, den Landschaftsverbänden, den Bezirksregierungen, dem Landesamt, den Museen, dem Forschungsinstitut in Wilhelmshaven und der Universität ziehen im Verbund an einem Strang und bringen die archäologische Sache voran. Nicht zu vergessen sind dabei die Nachbarwissenschaften wie Botanik, Anthropologie, Geowissenschaften u.a.m., ohne die moderne Landesforschung undenkbar wäre.

Mehr als 40 Jahre Archäologische Kommission für Niedersachsen e.V. heißt zusammengenommen eine Generation von engagierten Forschern, die gelernt, aufgebaut und weiterentwickelt haben. Das Anforderungsprofil, dem sich die moderne Archäologie zu stellen hat, wird indes zusehends von Baumaschinen und Investoren geprägt. Die Kommission wird auch in der Zukunft keine Gelegenheit auslassen, den Gesetzgeber auf die veränderte Situation aufmerksam zu machen. Ihre Stärke liegt im Zusammenhalt der Kollegen, im Austausch sowie in der gemeinsamen Beurteilung der Verhältnisse, die unsere Umwelt in einer Art und Weise verändern, wie es vorangegangene Epochen nie gesehen haben!

Als aus mehreren historischen Staats- und - um weiter zurückzugehen - Stammesgebieten zusammengesetztes Bundesland trägt Niedersachsen Verantwortung für eine ganze Menge von „Geschichte". Wieviel Verlust von solch unwiederbringlicher historischer Substanz kann sich unser elaboriertes Gesellschaftswesen leisten? Die Archäologische Kommission mahnt - und sie arbeitet, weil sie sich den seit ihrer Gründung entwickelten Zielen und den gestellten Aufgaben unvermindert verpflichtet fühlt!

Rolf Bärenfänger

Nach der Satzung der Archäologischen Kommission können im Lande tätige Archäologen/innen durch Erklärung Mitglied der Kommission werden. Auswärtige Kollegen sowie Nachbarwissenschaftler, die aufgrund ihrer besonderen Verdienste der niedersächsischen Archäologie eng verbunden sind, können zugewählt werden. Über die Anträge entscheidet die Mitgliederversammlung.

Die Archäologische Kommission ist eine demokratische Vereinigung, in der die Mitgliederversammlung nach Ablauf von vier Jahren einen Vorstand mit Vorsitzendem, stellvertretendem Vorsitzenden, Schatzmeister und Schriftführer wählt. Sie wählt außerdem die frei zu bestimmenden Mitglieder des Hauptausschusses, die neben den von den maßgeblich in Niedersachsen agierenden Institutionen entsandt werden. Der regelmäßig tagende Hauptausschuß berät die aktuellen Fragen und Probleme und bereitet mit dem Vorstand die Beschlüsse der Mitgliederversammlung vor.

So werden für das Fach im engeren als auch für die Landesgeschichte im weiteren Sinne wichtige Fragen erörtert und in Abstimmung mit den verschiedenen Institutionen Fortschritte in der Forschung und der Öffentlichkeitsarbeit erreicht. Zentraler Punkt ist dabei vor allem die Publikation der Grabungsergebnisse, wofür verschiedene Foren vorgehalten werden. Sie sind zugleich der größte Kostenfaktor, da einerseits ein wissenschaftlicher Standart eingehalten werden soll, andererseits die interessierte Öffentlichkeit ein Recht auf adäquate Berichterstattung besitzt.

Von Beginn an hat das Land Niedersachsen durch sein Ministerium für Wissenschaft und Kultur die Aktivitäten der Kommission durch einen namhaften jährlichen Beitrag unterstützt, um vor allem die Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte kontinuierlich zu veröffentlichen. Auch die in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen herausgebrachten Schriften werden in der Regel maßgeblich gefördert. Zudem hilft stets ein starker Pool von fördernden Mitgliedern, die Publikationsprojekte auf den Weg zu bringen. Die korporativen Mitglieder nehmen stimmberechtigt an der Mitgliederversammlung teil, außerdem haben sie über den von ihnen gewählten Sprecher einen Sitz im Hauptausschuß. Für den derzeit geltenden Jahresmindestbeitrag von € 150,- erhalten sie die Publikationen der Archäologischen Kommission; eine willkommene Gabe, mit der sich Bibliotheken von Landkreisen, Städten, Landschaftsverbänden, Vereinen u.a.m. kostengünstig die Fortsetzung der von ihnen geführten Reihen sichern. Selbstverständlich können auch "natürliche Personen" Fördermitglied werden.

Zur Förderung der Archäologischen Kommission für Niedersachsen fordern wir Sie oder Ihre Institution herzlich zum Beitritt auf!

Satzung der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e. V.

Die in der Mitgliederversammlung in Osnabrück am 14. Juni 2002 verabschiedete Satzungsneufassung ist am 22. Juli 2003 in das Vereinsregister des Amtsgerichts Hannover eingetragen worden.

Die Vereinigung ist ein Zusammenschluss aller in Niedersachsen tätigen Archäologinnen und Archäologen und führt die Bezeichnung "Archäologische Kommission für Niedersachsen e. V.". Sie hat ihren Sitz in der Stadt Hannover.

1. Die Kommission bezweckt die Förderung der archäologischen Landesforschung in Niedersachsen und tritt ein für den Schutz und die Pflege des archäologischen Erbes.

2. Sie will dieses Ziel erreichen durch: a) Anregungen und Förderung von Forschungen auf diesem Gebiet ganz allgemein, insbesondere aber auch der Vorhaben, die über die Kraft eines einzelnen Wissenschaftlers oder den Arbeitsbereich einzelner Institute hinausgehen; b) die Koordinierung von Forschungsvorhaben verschiedener an gleichen Zielsetzungen arbeitender Forschungsträger, besonders der Bestrebungen der Landesinstitute, der Bemühungen der Landschaftsverbände, der Arbeiten kommunaler Institutionen und solcher Vorhaben, die von einzelnen Fach- oder Laienforschern getragen werden, ohne dadurch die Initiative des Einzelnen einzuengen oder die Zuständigkeit einzelner Institute beschränken zu wollen; c) Bereitstellung von ausreichenden Publikationsmöglichkeiten; d) Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses; e) Schaffung und ggf. Institutionalisierung von Kontakten zu in- und ausländischen Nachbarorganisationen, die an ähnlichen Aufgaben arbeiten.

1. Die Kommission verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnittes "Steuerbegünstigte Zwecke" der Abgabenverordnung.

2. Die Kommission ist selbstlos tätig und verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke.

3. Die Mittel der Kommission dürfen nur für satzungsgemäße Zwecke verwendet werden. Die Mitglieder erhalten keine Gewinnanteile und in ihrer Eigenschaft als Mitglieder auch keine sonstigen Zuwendungen aus Mitteln der Kommission. Bei ihrem Austritt oder bei der Auflösung der Kommission haben sie keinen Anspruch auf Rückzahlung ihrer für die Zwecke der Kommission geleisteten Beiträge und Spenden.

4. Die Kommission darf niemanden durch unverhältnismäßig hohe Vergütungen oder durch Ausgaben, die dem Zwecke der Kommission fremd sind, begünstigen.

5. Die Mitglieder der Organe der Kommission nehmen ihre Aufgaben ehrenamtlich war.

1. Die Kommission besteht aus: a) ordentlichen Mitgliedern, b) zugewählten Mitgliedern, c) fördernden Mitgliedern, d) Ehrenmitgliedern.

2. Als ordentliche Mitglieder gehören der Kommission auf eigenen Antrag alle in der Archäologie Niedersachsens tätigen Wissenschaftler an, sofern sie ein einschlägiges Abschlußexamen einer deutschen Universität oder einer vergleichbaren ausländischen Hochschule haben.

3. Als Mitglieder können auf Antrag eines Mitgliedes der Kommission zugewählt werden: a) Wissenschaftler, die sich um die Archäologie Niedersachsens besondere Verdienste erworben haben, b) in Niedersachsen tätige Laienforscher, die sich um die Archäologie besondere Verdienste erworben haben und deren Arbeitsergebnisse sich im Niveau von Magister- oder Staatsexamensarbeiten niedergeschlagen haben.

4. Als fördernde Mitglieder können der Kommission Behörden, Körperschaften und Stiftungen des privaten und öffentlichen Rechts, Verbände, Vereine, Unternehmen, Privatpersonen und Gesellschaften bürgerlichen Rechts beitreten. Veröffentlichungen der Kommission erhalten die fördernden Mitglieder kostenlos. Der Verkaufswert der Veröffentlichungen darf pro Jahr die Höhe des Förderbeitrages nicht übersteigen.

5. Mitglieder und andere Personen, die sich um die Förderung der Archäologie Niedersachsens oder um die Kommission herausragende Verdienste erworben haben, können auf Vorschlag des Hauptausschusses zu Ehrenmitgliedern ernannt werden.

1. Der Antrag auf ordentliche Mitgliedschaft muss persönlich und in schriftlicher Form an den Vorstand der Kommission gerichtet werden. Der Vorstand prüft, ob die Voraussetzungen nach § 4.2 erfüllt sind. In Zweifelsfällen entscheidet der Hauptausschuss. Die Aufnahme wird vom Vorstand schriftlich bestätigt.

2. Der Antrag auf Zuwahl eines Mitgliedes muss von einem Mitglied der Kommission schriftlich an den Vorstand der Kommission gerichtet werden. Über die Aufnahme entscheidet die Mitgliederversammlung.

3. Die Mitgliedschaft endet: a) für die ordentlichen und zugewählten Mitglieder mit dem Verlassen des Arbeitsgebietes der Kommission, sofern die Mitgliederversammlung sich nicht auf Antrag des Mitgliedes für die Fortdauer der Mitgliedschaft ausspricht. b) durch Austritt aus der Kommission. Der Austritt muss dem Vorstand schriftlich angezeigt werden. Er ist für fördernde Mitglieder nur jeweils zum Schluss des mit dem Kalenderjahr zusammenfallenden Geschäftsjahres möglich. Es muss eine Kündigungsfrist von drei Monaten eingehalten werden. c) bei juristischen Personen durch Auflösung oder anderweitiges Erlöschen.

4. Bei groben Verstößen gegen das Interesse der Kommission kann vom Hauptausschuss der Ausschluss des Mitgliedes aus der Kommission beschlossen werden. In diesem Falle sind dem Mitglied die Gründe nicht nur schriftlich mitzuteilen, sondern es ist ihm vor der Beschlussfassung unter Setzung einer angemessenen Frist auch Gelegenheit zur schriftlichen Rechtfertigung zu geben. Das ausgeschlossene Mitglied hat das Recht der Berufung an die nächste Mitgliederversammlung. Die Berufung muss innerhalb einer Frist von 30 Tagen nach Zugang des Ausschließungsbeschlusses gegenüber dem Vorstand schriftlich erklärt werden. Die Mitgliederversammlung entscheidet endgültig.

1. Ordentliche und zugewählte Mitglieder zahlen keinen Beitrag.

2. Mitgliedsbeiträge werden nur von den fördernden Mitgliedern erhoben. Der Regelbeitrag für die fördernden Mitgliedern wird von der Mitgliederversammlung festgelegt und beträgt z. Zt. € 150,- . Er ist bis zum 1. März des laufenden Geschäftsjahres zu entrichten.

3. Weitere Einnahmen der Kommission fließen aus den Zuwendungen des Landes Niedersachsen und Spenden Dritter sowie aus den Zinsen eines etwaigen Vermögens der Kommission und aus dem Verkauf von Veröffentlichungen.

Die Organe der Kommission sind: 1. die Mitgliederversammlung, 2. der Hauptausschuss, 3. der Vorstand, 4. Ausschüsse.

1. Jährlich ist eine Mitgliederversammlung an wechselnden Tagungsorten abzuhalten, die in der Regel mit einer wissenschaftlichen Tagung verbunden sein soll.

2. Die Mitgliederversammlung hat folgende Aufgaben und Rechte: a) Genehmigung des Protokolls der letzten Mitgliederversammlung, Entgegennahme des Jahresberichtes des Vorstandes und der Berichte der Ausschüsse, der Herausgeber bzw. Schriftleiter und der Kassenprüfer. b) Erteilung von Entlastungen, c) Wahl des Vorstandes, der zuzuwählenden Mitglieder des Hauptausschusses, der Mitglieder der Ausschüsse und der Kassenprüfer, d) Zuwahl von Mitgliedern, e) Ernennung von Ehrenmitgliedern, f) endgültige Berufungsentscheidung bei Ausschlüssen, g) Festsetzung der Höhe des Regelbeitrages der fördernden Mitglieder; h) Satzungsänderung, i) Auflösung der Kommission.

3. Mitgliederversammlungen sind schriftlich vom Vorstand nach § 36 BGB einzuberufen. Die Einladung muss spätestens einen Monat vor dem Tagungstermin (Poststempel bzw. Absendedatum) unter Mitteilung der Tagesordnung an alle Mitglieder ergehen. Über die Sitzung ist ein Protokoll zu erstellen, das vom Schriftführer sowie vom Vorsitzenden oder seinem Stellvertreter zu unterzeichnen und spätestens mit der Einladung zur darauf folgenden Mitgliederversammlung allen Mitgliedern zuzustellen ist.

4. Außerordentliche Mitgliederversammlungen finden statt, wenn der Vorstand es für notwendig erachtet oder ein Fünftel der Mitglieder es schriftlich unter Angabe von Gründen beantragt. In diesem Fall ist die Mitgliederversammlung innerhalb von zwei Wochen durchzuführen, wobei die Ladung spätestens eine Woche vor Tagungstermin (Poststempel) an die Mitglieder ergangen sein muss.

5. Die korporativen fördernden Mitglieder sind ermächtigt, je einen stimmberechtigten Vertreter in die Mitgliederversammlung zu entsenden, der sich durch eine schriftliche Vollmacht ausweisen muss.

6. Zur Beschlussfähigkeit ist die Anwesenheit von einem Fünftel der Mitglieder erforderlich, wobei mit einfacher Mehrheit entschieden wird. Eine Änderung der Satzung ist nur mit einer Mehrheit von drei Viertel der anwesenden Mitglieder möglich. Wird eine Mitgliederversammlung wegen Beschlussunfähigkeit vertagt, so ist eine neue ordnungsgemäß einzuberufen. Die neue Mitgliederversammlung ist ohne Rücksicht auf die Zahl der Anwesenden beschlussfähig, sofern die Mitglieder bei der Einladung ausdrücklich auf diesen Sachverhalt hingewiesen worden sind.

7. Anträge der Mitglieder für die Mitgliederversammlung sind mindestens zwei Wochen vorher schriftlich beim Vorstand einzureichen. Über die Zulassung von Dringlichkeitsanträgen entscheidet die Mitgliederversammlung.

1. Der Vorstand, die vier zuzuwählenden Mitglieder des Hauptausschusses, die Mitglieder der Ausschüsse und die beiden Kassenprüfer werden für die Dauer von vier Jahren von der Mitgliederversammlung gewählt.

2. Die Wahl des Vorstandes, der zuzuwählenden Mitglieder des Hauptausschusses und der Ausschüsse ist geheim und erfolgt in getrennten Wahlgängen. Blockwahl ist nicht zulässig. Die Kassenprüfer werden in offener Wahl gewählt. Wiederwahl ist in allen Fällen zulässig.

3. Bei den Wahlen zum Vorstand ist die absolute Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen erforderlich. Erhält keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit, findet eine Stichwahl unter den beiden Kandidaten statt, die im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten haben. Bei den übrigen Wahlen entscheidet die einfache Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen.

1. Der Hauptausschuss setzt sich zusammen aus a) dem Vorstand, b) den Vertretern der im folgenden genannten Institutionen: je einem Vertreter: des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover, Urgeschichtsabteilung, des Landesmuseums für Natur und Mensch Oldenburg, Abteilung Vorgeschichte, des Braunschweigischen Landesmuseums, Abteilung Archäologie, des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung, Wilhelmshaven, des Seminars für Ur- und Frühgeschichte der Georg-August -Universität Göttingen, der Arbeitsgemeinschaft der niedersächsischen Bezirksarchäologen; je zwei Vertretern: des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, Referat Archäologie, Hannover, der bei den Landschaftsverbänden und Gebietskörperschaften tätigen Archäologen, sowie je einem Vertreter: des Landes Niedersachsen, der fördernden Mitglieder, c) vier unabhängig von ihrer institutionellen oder gruppenmäßigen Zugehörigkeit zu wählenden Mitgliedern.

2. Die institutionellen Mitglieder benennen ihre Vertreter im Hauptausschuss selbst. Ihr Mandat endet mit dem Ausscheiden aus dem betreffenden Amt. Für die Wahl der Vertreter der bei den Landschaftsverbänden und Gebietskörperschaften tätigen Archäologen sind nur die Angehörigen dieser Gruppe stimmberichtigt. Das Gleiche gilt für den Vertreter der fördernden Mitglieder.

3. Scheidet ein nach § 10.1.c gewähltes Mitglied des Hauptausschusses während seiner vierjährigen Wahlperiode aus, so muss auf der nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung eine Nachwahl erfolgen. Für das nachgewählte Mitglied endet das Amt mit der laufenden Wahlperiode.

4. Der Hauptausschuss soll mindestens zweimal im Jahr tagen. Er wird vom Vorsitzenden oder seinem Stellvertreter schriftlich unter Angabe der Tagesordnung einberufen. Der Hauptausschuss ist beschlussfähig, wenn mindestens die Hälfte seiner Mitglieder anwesend ist. Der Hauptausschuss fasst alle Beschlüsse mit einfacher Mehrheit der Stimmen der Erschienenen. Bei Stimmengleichheit entscheidet der Vorsitzende.

5. Über die Sitzungen des Hauptausschuss führt der Schriftführer Protokoll. Dies ist von ihm und dem Vorsitzenden zu unterzeichnen und spätestens mit der Einladung zur folgenden Sitzung den Hauptausschussmitgliedern zuzustellen. Das Protokoll ist auf der folgenden Sitzung zu genehmigen.

6. Zu außerordentlichen Sitzungen tritt der Hauptausschuss zusammen, wenn fünf seiner Mitglieder dies unter Angabe des Zweckes schriftlich verlangen.

7. Der Hauptausschuss kann der Mitgliederversammlung zur Unterstützung seiner Arbeit die Berufung von weiteren Ausschüssen vorschlagen, die sich nach der Erledigung ihrer Aufgaben oder mit dem Ende der Wahlperiode wieder auflösen. Deren Mitglieder werden von der Mitgliederversammlung gewählt.

1. Der Vorstand setzt sich aus dem Vorsitzenden, dem stellvertretenden Vorsitzenden, dem Schatzmeister sowie dem Schriftführer zusammen. Er erledigt die laufenden Geschäfte im Einvernehmen mit dem Hauptausschuss.

2. Der Arbeitsrahmen zwischen Vorstand und Hauptausschuss kann durch eine Geschäftsordnung geregelt werden. Die Geschäftsordnung beschließt der Hauptausschuss mit einfacher Mehrheit der anwesenden Mitglieder.

3. Der Vorstand leitet die Arbeit der Kommission und sorgt für die Durchführung der Beschlüsse von Hauptausschuss und Mitgliederversammlung. Er verfügt innerhalb der Grenzen des Haushaltsplanes über die Mittel der Kommission und verwaltet deren Vermögen.

4. Scheidet ein Vorstandsmitglied während seiner vierjährigen Wahlperiode aus, so muss auf der nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung eine Nachwahl erfolgen. Für das nachgewählte Vorstandsmitglied endet das Amt mit der laufenden Wahlperiode.

1. Der Vorsitzende und der stellvertretende Vorsitzende sind Vorstand im Sinne der § 26 BGB. Sie vertreten die Kommission jeder für sich gerichtlich und außergerichtlich.

2. Der Vorsitzende der Kommission und sein Stellvertreter haben das Recht, an den Sitzungen der Ausschüsse der Kommission - sofern sie nicht selbst Mitglied dieser Ausschüsse sind - mit beratender Stimme teilzunehmen. Zu den Sitzungen sind sie einzuladen.

1. Für die fachliche Begutachtung von Anträgen auf Zuteilung von Forschungsmitteln des Landes Niedersachsen setzt die Kommission für ihr Arbeitsgebiet bei Bedarf einen unabhängigen Gutachterauschuss ein.

2. Der Gutachterausschuss besteht aus fünf Kommissionsmitgliedern, die von der Mitgliederversammlung in geheimer Wahl für die Dauer von vier Jahren gewählt werden, sowie dem Gutachter für das Fachgebiet Vor- und Frühgeschichte im Interministeriellen Ausschuss zur Verteilung von Mitteln zur verstärkten Förderung der Forschung in Niedersachsen, sofern dieser nicht als gewähltes Mitglied dem Ausschuss angehört. Wiederwahl ist zulässig. Der Gutachterausschuss wählt aus seiner Mitte einen Vorsitzenden und einen stellvertretenden Vorsitzenden.

3. Über seine Sitzung hat der Gutachterausschuss ein Protokoll anzufertigen, das vom Vorsitzenden zu unterzeichnen und dem Vorsitzenden der Kommission zur Kenntnis zu geben ist.

4. Über seine Arbeit erstattet der Gutachterausschuss im Hauptausschuss zu dessen Sitzungen und der Mitgliederversammlung jährlichen Bericht.

5. Der Gutachterausschuss berät die Kommissionsmitglieder auf deren Wunsch über die Möglichkeiten der Beantragung von Forschungsmitteln und über die zu beachtenden Formalitäten.

6. Gibt der Gutachterausschuss über einen Antrag auf Forschungsmittel des Landes Niedersachsen ein negatives Gutachten ab, so ist er auf Wunsch des betroffenen Antragstellers verpflichtet, diesen über die für die Beurteilung maßgebenden Gründe zu informieren.

1. Die Kommission gibt allein oder in Verbindung mit in Niedersachsen tätigen archäologischen Institutionen folgende Schriften heraus: a) Neue Ausgrabungen und Forschungen in Niedersachsen, b) Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte und deren Beihefte, c) Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens, d) Wegweiser zur Vor- und Frühgeschichte Niedersachsens, e) Archäologie in Niedersachsen. Sie erscheinen mit dem Zusatz "Im Auftrage der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e. V., herausgegeben von N. N.". Dabei sind die jeweiligen Herausgeber bzw. Schriftleiter und die Redaktionsmitglieder namentlich aufzuführen.

2. Über die geschäftliche Behandlung von Veröffentlichungen (Verlag, herausgebende Institution, Redaktion usw.) entscheidet der Vorstand im Einvernehmen mit der betreffenden Institution.

3. Mit dem Herausgeber und der betreffenden Institution ist eine entsprechende schriftliche Vereinbarung zu treffen, die die geschäftliche Durchführung regelt.

4. Die Herausgeber bzw. Schriftleiter erledigen ihre Aufgabe in Zusammenarbeit mit dem Hauptausschuss. Sie berichten diesem über den jeweiligen Arbeitsstand und erstatten der Mitgliederversammlung Bericht.

5. Die Herausgeber bzw. Schriftleiter sind untereinander zur gegenseitigen Information und Abstimmung der zum Druck eingereichten Beiträge verpflichtet. Sie halten dazu jährlich wenigstens eine Besprechung ab.

Außer den Mitgliederversammlungen und den mit diesen verbundenen wissenschaftlichen Tagungen kann die Kommission auch andere für die Förderung der Landesforschung nützliche Zusammenkünfte, vor allem Fachsymposien und gemeinsame Tagungen mit verwandten Einrichtungen der Nachbardisziplinen, veranstalten.

1. Der Beschluss zur Auflösung der Kommission ist nur bei einer Mehrheit von drei Viertel der anwesenden Mitglieder einer ordnungsgemäß geladenen Mitgliederversammlung möglich.

2. Bei Auflösung der Kommission oder bei Wegfall ihres bisherigen Zweckes fällt das Gesamtvermögen nach Ausgleich aller offenen Verbindlichkeiten an das Land Niedersachsen. Die Mittel aus dem Vermögen der Kommission dürfen in diesem Falle nur zu wissenschaftlichen Zwecken der Archäologischen Landesforschung verwendet werden. Die Liquidation erfolgt nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen durch den Vorstand.

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Grabungsstandards

Teil I: Allgemeines

Diese Richtlinien gelten für alle archäologischen/bodendenkmalpflegerischen Aktivitäten, die von Denkmalbehörden, Forschungseinrichtungen, Universitäten oder archäologischen Firmen durchgeführt werden, unabhängig davon, ob sie auf bekannten Denkmalen stattfinden. Sie werden ergänzt durch Standards der Denkmalbehörden, Forschungsinstitutionen oder Universitäten, die für die jeweiligen Geländeaktivitäten verantwortlich sind. Zudem gelten die Auflagen und Bedingungen, die in der Ausgrabungsgenehmigung der unteren Denkmalschutzbehörde für die einzelne Aktivität definiert sind.

Als Geländeaktivitäten gelten:

  • Noninvasive Prospektion
    • Verschiedene geophysikalische Messungen
    • Begehungen ohne Metalldetektor
  • Geringinvasive Maßnahmen
    • Begehungen mit Metalldetektor bei Bergung der Funde
    • Bohrungen mit verschiedenen Bohrgeräten (auch Handbohrungen
  • Harte Prospektion
    • Baggerprospektion
    • Punktuelle Grabungen „Schürfgruben“
  • Baubegleitungen („Ausgrabung parallel zum Bauprozess“)
  • Ausgrabungen
    • Rettungsgrabungen
    • Forschungsgrabungen

Im Vorfeld jeder Aktivität ist eine denkmalrechtliche Genehmigung gem. §§ 10, 12 und 13 NDSchG einzuholen, davon ausgenommen sind nur Begehungen ohne technische Geräte. Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (im weiteren NLD) bedarf keiner denkmalrechtlicher Genehmigung gem. §12 Abs. 1 NDschG, meldet aber seine Aktivitäten im Vorfeld der zuständigen unteren Denkmalschutzbehörde.

Unabhängig, ob Funde oder Befunde festgestellt werden, ist das Ergebnis der Aktivität der zuständigen Denkmalbehörde zu melden. Alle Bodenfunde sind gem. § 14 NDSchG meldepflichtig.

Jede Aktivität beinhaltet eine:

  • Aktivitäts- oder Maßnahmennummer, die vor Beginn der Geländetätigkeit von der jeweiligen Kommunalarchäologie oder dem NLD vergeben wird. Auch negative Ergebnisse werden dokumentiert.
  • Fundstellennummer (wird nur bei positiven Ergebnissen vergeben)
  • Fundmeldung oder Negativmeldung (mit Angabe von Gemeinde und Gemarkung, Flur, Parzelle und Koordinaten, ggf. digitale Geometrie von Untersuchungsfläche und Fundstellenfläche)

Auch bei noninvasiven und geringinvasiven Aktivitäten wie Begehungen und Bohrungen etc. muss Personal mit archäologischer Qualifikation vor Ort sein, so dass eine fundierte und standardisierte Dokumentation erfolgen kann. Bei invasiven Aktivitäten wie harter Prospektion, Baubegleitungen und Ausgrabungen ist sicherzustellen, dass die Leitung mindestens durch ausgebildete Grabungstechniker/-innen (Frankfurter Modell oder Studium) oder aber Archäologen/innen mit abgeschlossenem Studium erfolgt. Bei großen Ausgrabungen oder besonders komplexen Projekten kann es erforderlich sein, die örtliche Leitung durch eine/n Archäologen/in festzuschreiben. In allen Fällen müssen die Leitung einer Maßnahme und das technische Personal über umfassende deutsche Sprachkenntnisse (Wort und Schrift) verfügen. Zudem sind je nach archäologischer Situation auf der Untersuchungsfläche zusätzliche Qualifikationen zu erfüllen, die in der denkmalrechtlichen Genehmigung festgeschrieben sind. Dies können beispielsweise ausreichende Ausgrabungserfahrungen, Kenntnisse in Bodenkunde, Erfahrung in der Anleitung von Mitarbeiter/innen, Erfahrung aus Grabungen auf podsolierten Sandböden oder mit Körpergräbern usw. sein. Die formale Qualifikation des Personals ist durch Zeugnisse nachzuweisen, die jeweils geforderten weiteren Kenntnisse und Erfahrungen durch schriftlichen Nachweis von absolvierten Geländeaktivitäten.

Um Gefährdungen der Ausführenden einer Aktivität oder Dritter zu vermeiden, sind die im Grabungstechnikerhandbuch (Kap. 3) aufgestellten Sicherheitskriterien einzuhalten, zudem gelten die Sicherheitshinweise und -vorschriften zur Arbeitssicherheit der Berufsgenossenschaft BAU. Kampfmittelfreiheit ist im Vorfeld durch die Grabungsleitung oder den Bauträger in den örtlichen Verhältnissen angemessener Weise sicherzustellen. Zudem sind die Sicherheitsvorkehrungen des Bauträgers einzuhalten.Über die verschiedenen Versorgungsträger sind im Vorfeld der Aktivität genaue Informationen hinsichtlich etwaiger in der Fläche verlaufender Leitungen einzuholen. Bei vorliegenden Leitungen sind die jeweils geforderten Mindestabstände einzuhalten.

Bei Verdacht auf vorliegende Altlasten (Bodenkontaminationen) können weitere Sicherheitsvorschriften durch die zuständige Umweltbehörde zur Geltung kommen.

Teil II: Maßnahmen

Neben den im Handbuch der Grabungstechnik (Kap. 27) aufgeführten Voraussetzungen ist dafür zu sorgen, dass die Auswertung der gemessenen Daten durch Personen erfolgt, die über ausreichende Erfahrung mit Messbildern aus der Archäologie verfügen und die örtlichen Bodenverhältnissen einschätzen können.

Im Anschluss an die Auswertung sind die Messbilder und ein Bericht abzugeben. Der Verbleib der Rohdaten muss langfristig sichergestellt werden. Der Bericht muss neben Angaben zum Autor/zur Autorin die genauen Koordinaten in einem aktuellen Vermessungssystem (vgl. NLD-Grabungsstandards 3.2) sowie Angaben zum genutzten Gerät, der gemessenen Flächen sowie der angewandten Methoden beinhalten.

Bei Untersuchungen durch Bohrungen sind in jedem Fall die dreidimensionalen Koordinaten (wie Punkt 5) jeder Bohrung zu erfassen und die Profile nach den Regeln der aktuellen bodenkundlichen bzw. geologischen Kartieranleitung zu beschreiben, außerdem ist ein Bericht zu erstellen. Dieser muss Angaben zur abgebohrten Fläche (Nutzung, Größe, Lage), zum verwendeten Bohrgerät, zur Bohrtechnik und zur Gesamttiefe der Bohrungen enthalten, außerdem die Detailansprache der Bohrungen und die wesentlichen Ergebnisse im Überblick.

Oberflächenbegehungen können mit oder ohne technische Hilfsmittel (Metallsuchgeräte) durchgeführt werden. Für Metallsondengänger gelten die von der Archäologischen Kommission Niedersachsen festgelegten Vorgehensweisen zur Erlangung einer Genehmigung nach §13 NDSchG. Begehungen ohne technische Hilfsmittel sind genehmigungsfrei, jedoch sind alle Bodenfunde gem. § 14 NDSchG meldepflichtig.

Bei jeder Begehung muss eine eindeutige Bezeichnung des Suchgebietes mit Angabe der Flur-und Flurstücksnummer erfolgen. Im Fall von Funden sind diese einzumessen, in der Regel als Einzelkoordinaten. Die Fundmeldung und Vorlage der Funde erfolgt bei der jeweiligen Denkmalbehörde. Es ist ein Kurzbericht mit Angaben zur Methode der Begehung und der Intensität sowie der Vermessungsmethode abzugeben. Auch Negativmeldungen sind erforderlich.

Kleinflächige Probegrabungen von wenigen Quadratmetern Größe können innerhalb eines bekannten Fundplatzes z.B. angelegt werden, um zu klären, wo eine anschließende Grabung stattfinden soll oder um den Zustand/die Ausdehnung des Denkmals zu überprüfen. Die genaue Lage und Größe der Schürfe ist zu dokumentieren. Dabei ist die Methode sofort anzupassen, sobald archäologisch relevante Befunde erkennbar werden und diese entsprechend den Regeln unter Punkt 11.3ff. zu dokumentieren. Dies kann in Plana, oder in natürlichen Schichten erfolgen.

9.1 Allgemeines

Bei Baggerprospektionen ist ein aussagekräftiger Anteil der Fläche, mindestens jedoch 10 % der Gesamtfläche, zu untersuchen. Dabei ist eine repräsentative Schnittverteilung zu wählen, die alle Bereiche des zu prospektierenden Areals erfasst. Beim Antreffen von Befunden sind die Suchgräben bei Bedarf so zu erweitern, dass eine Einschätzung der Art und des Umfanges des Bodendenkmals möglich wird. Zur Klärung des Bodenaufbaus ist eine ausreichende Anzahl von Profilen anzulegen und nach geltenden Kartieranleitungen zu beschreiben. Werden archäologisch relevante Befunde erkannt, sollte bei einer repräsentativen Anzahl mittels Bohrungen oder Schnitten die Erhaltung und Tiefe festgestellt werden. Als repräsentative Anzahl gelten mindestens 10% der Befunde.

9.2 Oberbodenabtrag

Beim Oberbodenabtrag muss qualifiziertes Personal (s. o.) ständig anwesend sein. Ggf. sollte im Vorfeld durch Bohrungen abgeklärt werden, wie tief gebaggert werden muss. Der Oberbodenabtrag muss so tief erfolgen, dass die Unterkante des Humusauftrages (Ah-Horizont) erreicht wurde. Bei starker Verbraunung unter dem Ah-Horizont oder vergleichbaren Prozessen wie Tonverlagerungen kann es notwendig sein, bis in den C-Horizont abzutiefen, um Befunde sicher zu erkennen. Zu Beginn der Prospektion ist durch Bohrungen oder Bodenprofile zu klären, ob durch Überwehungen, Solifluktion, Auftragsböden oder Kolluvien ältere Befunde zugedeckt wurden oder Befunde in mehreren Tiefen vorhanden sind. Dies kann je nach Größe der Fläche mehrmals im Verlauf der Prospektion erforderlich sein. Generell ist bei der Arbeit im Bereich von Auftragsböden zu berücksichtigen, dass diese Böden als Relikte einer historischen Bewirtschaftungsweise ebenfalls schützenswert sind und folglich bei unvermeidbaren Zerstörungen fotografisch und schriftlich dokumentiert werden müssen.

9.3 Vermessung

Die Einmessung hat digital dreidimensional in einem aktuellen Vermessungssystem zu erfolgen. Dabei muss die ungefähre Genauigkeit und die Vermessungsmethode angegeben werden. Höhenangaben erfolgen immer in Werten über Normalnull (NN). Alle Messungen sollten Genauigkeiten unter 1 cm Differenz erreichen. Für die Einmessung der Fläche müssen mindestens die Ausgrabungskanten eingemessen werden sowie eine angemessene Anzahl an Punkten genommen werden, die die Topographie der Grabungsfläche wiedergibt. Alle Befunde müssen mindestens mit einer Mittelkoordinate eingemessen werden, je nach Größe mit mehreren Punkten. Bei tachymetrischer Einmessung müssen die Befundränder mit einer angemessenen Anzahl an Punkten aufgenommen werden, um eine spätere formtreue Bearbeitung zu ermöglichen.

9.4. Befundbearbeitung, Funde

Die Dokumentation der Befunde im Planum und Profil sowie die Fundbehandlung erfolgen gemäß den Regeln bei Grabungen (s. Punkt 11.3 und 4).

9.5 Technische Nachbereitung, Dokumentationsabgabe, Fristen

Grundsätzlich sind alle auf der Ausgrabung gewonnenen Daten bei der zuständigen Denkmalbehörde oder der Forschungsinstitution abzugeben. Die Abgabe des abschließenden Berichtes an die jeweils zuständige Denkmalbehörde sollte kurz nach der Beendigung der Prospektion erfolgen, spätestens jedoch einen Monat nach der Geländetätigkeit. Der Bericht, mit Positiv- oder Negativmeldung, Gesamtplan, Angabe der Koordinaten und Kartenausschnitts muss alle wesentlichen Angaben zur Maßnahme, analog zu Punkt 11.7 enthalten.

Baubegleitungen dienen der archäologischen Dokumentation während des Baubetriebs. Sie erfolgen in enger Abstimmung mit den Bauherren, den Baufirmen und der jeweils zuständigen Denkmalbehörde. Bei allen Erdarbeiten muss dabei archäologisches Fachpersonal vor Ort zugegen sein. Bei der Aufdeckung relevanter archäologischer Denkmalsubstanz müssen ausreichende Fristen für die Dokumentation und Bergung eingeräumt werden. In diesem Fall kommt § 14.2 NDSchG zur Anwendung. Die Dokumentation hat analog zu Ausgrabungen gemäß Punkt 11.3 zu erfolgen.

11.1 Oberbodenabtrag

Der Oberbodenabtrag hat entsprechend Punkt 9.2. zu erfolgen. Die bei den Baggerarbeiten entstandene Fläche muss je nach Bodenbeschaffenheit nachbearbeitet werden, um weitere Befunde sichtbar zu machen.

11.2 Vermessung

Die Vermessung hat analog zu Prospektionen gemäß Punkt 9.3 zu erfolgen.

11.3 Befundbearbeitung/Dokumentation der Befunde

In Niedersachsen werden Ausgrabungen in aller Regel befundorientiert durchgeführt. Die Bearbeitung von Befunden darf nur bei vollständig frostfreiem Boden erfolgen. Alle erkennbaren Befunde und/oder Schichten sind mit einer sicher zuzuordnenden Benennung mit arabischen Zahlen nach einem einheitlichen Schema zu versehen. Dabei ist auf Übersichtlichkeit und einfache Handhabung zu achten.

Alle Befunde werden anschließend einzeln fotografisch im Planum und Profil festgehalten. Bei digitaler Fotografie erfolgen die Aufnahmen in hoher Auflösung und hoher Qualität (Auflösung, Tiefenschärfe, Belichtung, Fotoausschnitt). Auf allen Fotos müssen Maßstab, Fototafel, Nordweisung, Farbtafel gut erkennbar sein. Bei komplexen Befundsituationen sollten Passpunkte ebenfalls fotografiert werden (Diese müssten dreidimensional eingemessen werden).

Jeder Befund muss einzeln, auf einem eigenem Befundblatt/-formular und jeweils im Planum und Profil beschrieben werden. Dabei werden alle wesentlichen Charakteristika des Befundes erfasst. Die Beschreibung sollte als Fließtext erfolgen, nicht über Auswahlverfahren. Folgende Punkte sollten dabei mindestens behandelt werden:

  • Maße
  • Form
  • Farbe
  • Abgrenzung (zum Anstehenden)
  • Substrat
  • Funde und Einschlüsse
  • Stratigraphie (Wechselwirkung mit anderen Befunden)

Nach der vollständigen Dokumentation im Planum ist der Befund zu öffnen, entweder in Form von Profilschnitten oder durch Ausnehmen seiner Verfüllung (Graben in natürlichen Schichten). Beim Schneiden sind je nach Größe des Befundes ein oder mehrere Profile anzulegen. Je nach Art des Befundes und der Stratigraphie können dabei weitere (Zwischen-)Plana notwendig sein. Für die Dokumentation der (Zwischen-)Plana und Profile sind dieselben Parameter einzuhalten wie für die Dokumentation des Planums.

Beim Graben in natürlichen Schichten sind mehrere Verfüllungen innerhalb eines Befundes getrennt abzutragen und zu dokumentieren.

11.4 Fundbergung

Es ist sicherzustellen, dass die Funde, nach Befunden getrennt, mit individuell zuzuordnenden Nummern versehen werden.

Empfindliche/leicht vergängliche Objekte sind möglichst schnell in ein dem Material angepasstes Klima zu bringen, dass einen weiteren Verfall stoppt (Kühlung, Lagerung im Wasser etc.).

Bei Holzbefunden ist ein gesondertes Konzept zur Bergung der Hölzer zu erarbeiten. Falls die Hölzer nicht geborgen werden sollen, muss mindestens eine Beprobung für die Holzartenbestimmung und eine exemplarische Dokumentation der Hölzer vor Ort erfolgen.

11.5 Blockbergungen

Bei besonders komplexen Befundlagen oder in situ erhaltenen Befundkomplexen, wie z.B. Urnengräbern, Brandgrubengräber, Körpergräbern, ineinander verbackenen Funden aus Metall oder Textilien o.ä. ist nach Bedarf eine Blockbergung durchzuführen Nach Möglichkeit muss hierbei in Zusammenarbeit mit ausgebildeten Restauratoren ein Konzept zur weiteren Bearbeitung der Blockbergungen erstellt werden. Die Freilegung der Blockbergung muss durch qualifiziertes Fachpersonal im Rahmen der technischen Aufbereitung erfolgen.

11.6 Beprobung für naturwissenschaftliche Analysen

Für die Auswertung des Fundplatzes ist eine möglichst repräsentative Menge für naturwissenschaftliche Analysen verfügbaren Materials wesentlich. Dies betrifft Probenmaterial für botanische, anthropologische, zoologische, geologisch/bodenkundliche und verschiedene datierende Untersuchungen. Je nach Befundsituation und Fundplatz ist zusammen mit den Denkmalbehörden/Forschungsinstitutionen ein Beprobungskonzept zu entwickeln und umzusetzen. Alle Proben sind wie Einzelfunde zu behandeln, d.h. mindesten in Listen zu erfassen, einzumessen und zu beschreiben.

Um eine Volumenreduktion und eine bessere Haltbarkeit der Proben zu erreichen sind sie im Rahmen der technischen Nachbereitung oder bereits während der Grabung aufzubereiten. Botanische Bodenproben beispielsweise sind zu flottieren, zu trocknen und fachgerecht zu verpacken.

11.7 Technische Nachbearbeitung

Die technische Nachbereitung muss sich unmittelbar an die Geländetätigkeit anschließen und dient dazu, alle auf der Ausgrabung gewonnenen Beobachtungen vollständig direkt in die Dokumentation einfließen zu lassen.

11.7.1 Bestandteile der Grabungsdokumentation

Die Dokumentation ist ausschließlich in deutscher Sprache abzufassen. Die Dokumentation gliedert sich in analoge und digitale Elemente. Die gesamte Dokumentation, auch die digitalen Teile, ist auch in Papierform abzugeben, es sei denn, die Denkmalbehörde setzt etwas anderes fest. Analoge Teile der Dokumentation, die im Gelände entstehen, sind ausschließlich mit Bleistift (bei Zeichnungen auch Buntstift) zu erstellen. Während der Aktivität handschriftlich festgehaltene Daten müssen digitalisiert werden. Zusätzlich sind auch alle analogen, handschriftlichen Teile der Dokumentation abzugeben.

Pflichtbestandteile der Dokumentation

Die Dokumentation umfasst folgende Pflichtbestandteile:

  • Kurzbericht und Fundmeldung
  • ggf. von den Denkmalbehörden vorgegebene Formulare mit Kenndaten
  • Grabungsbericht • ggf. Zwischenberichte
  • Grabungstagebuch • Karten / Pläne
  • Befundbeschreibungen
  • Befundkomplexbeschreibungen
  • Befundlisten
  • Fundlisten
  • Fotoliste
  • Profilliste
  • Beprobungskonzept
  •  Probenliste
  • Liste aller angefertigten Zeichnungen
  • Konkordanzlisten
  • alle Pläne und Zeichnungen im Original
  • digitaler Gesamtplan mit ausgearbeitetem Vermessungsplan und Befundplan
  • Fotos, falls noch analog fotografiert wird inkl. der Negative oder Diapositive, digitale Fotos in einem archivfähigen Dateiformat
  • Unterlagen über Arbeiten Dritter (Labore, Restauratoren etc.)
  • ggf. Datenbanken
  • Pläne und Zeichnungen mit GIS-Projekten oder CAD-Darstellungen
  • Messbilder
  • digitale Fotos, auch in entzerrter Form
  • Sonstiges (Bauprotokolle, Presseartikel, etc.)

Der Ausgrabungsbericht muss folgende Punkte beinhalten:

  • Beschreibung von Topographie, Geologie, Böden und der bisherigen Nutzung des Grabungsgeländes
  • Schriftliche Darstellung der Grabungsbedingungen und des Personals
  • Textliche Informationen zur Grabungstechnik und -methode sowie zur Vermessung
  • Erläuterungen zur Dokumentation (z. B. verwendete Abkürzungen, verwendete Farben bei Zeichnungen, Lagestatus der Pläne etc.)
  •  Schriftliche Informationen zu Besonderheiten der Grabung (z.B. besondere Befunde und Funde)
  • Ausführliche Zusammenfassung der wesentlichen Grabungsergebnisse mit Querverweisen auf die Befundnummern und ggf. beigefügten Bildern
  • Stichwortartige Zusammenfassung der wesentlichen Grabungsergebnisse
  • Anhänge

Bei längeren Geländemaßnahmen sind nach Maßgabe der unteren Denkmalschutzbehörde regelmäßig Zwischenberichte zu erstellen. Zusätzlich kann ein Beitrag für die Fundchronik des Landes Niedersachsen angefordert werden.

11.7.2 Dokumentationsabgabe, Fristen

Der Ausgrabungsbericht sollte nach Möglichkeit bei Forschungsprojekten innerhalb der Projektlaufzeit abgefasst werden, mindestens aber 6 Monate nach Abschluss der Geländetätigkeiten abgeschlossen sein. Bei Rettungsgrabungen sollte die vollständige Dokumentation nach einer Frist vorliegen, die in einem angemessenen Verhältnis zur Dauer der Ausgrabung steht, spätestens aber ein Jahr nach Ende der Geländetätigkeit.

11.8 Fundabgabe

Alle keramischen Objekte und Steinfunde sind zu waschen und zu trockenen und nach den Vorgaben der jeweils zuständigen Institution zu beschriften. Alle übrigen Materialgruppen (Metalle und organische Materialien) sind allenfalls grob zu reinigen und mit wasserfest verpackten Fundzetteln zu versehen. Das gesamte Fundmaterial ist gleichzeitig mit der Dokumentation sachgerecht verpackt an die Denkmalbehörde, den Auftraggeber oder die Forschungsinstitution zu übergeben. Es ist mit eindeutigen Fundnummern und mit Fundzetteln mit allen nötigen Angaben zu versehen. Fundzettel sind mit Bleistift zu beschriften und mit einem separaten Druckverschlussbeutel zu schützen. Die Funde sind nach Materialgruppen getrennt zu verpacken. Alle Verpackungen müssen archivgerecht sein. Die Größe von Fundkartons richtet sich nach den Vorgaben der annehmenden Institution. Fundkartons sind mit allen nötigen Angaben in Bleistift zu beschriften.

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