Foto: Andreas Hüser / Ostfriesische Landschaft

Siedlung – Fronhof – Pferdehaltung

Sonja König, … lütken Freden wisk …. Die mittelalterliche Siedlung Klein Freden bei Salzgitter vom 9.-13. Jahrhundert. Siedlung – Fronhof – Pferdehaltung, mit Beiträgen von Susanne Hanik und Gisela Wolf. Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens 36. Verlag Marie Leidorf, Rahden/Westf. 2007. 243 Seiten, 44 Abbildungen, 14 Tabellen, 13 Diagramme, 13 Pläne, 24 Tafeln, 3 Beilagen. ISSN: 0465-2770; ISBN-13: 978-3-89646-969-4. Gebunden 59,80 €.

Von 1993 bis 1996 fand unter der Leitung der Braunschweiger Bezirksarchäologie auf 30000 qm eine der größten Flächengrabungen in einer mittelalterlichen Siedlung in Niedersachsen statt. Anlass der Grabungen waren die Planung, Erschließung und der Bau eines größeren Wohngebietes. Die Anfänge der Besiedlung des erst 1180 erwähnten Dorfes reichen bis in die Zeit um 800 zurück. Die detaillierte Analyse der Gebäude, Brunnen und Öfen sowie des reichen Fundmaterials durch Dr. Sonja König, flankiert durch die naturwissenschaftlichen Untersuchungen von Dr. Susanne Hanik (Archäozoologie) und Gisela Wolf (Paläoethnobotanik), zeigte schon sehr bald die besondere Bedeutung dieser mittelalterlichen Wüstung für die niedersächsische Siedlungsforschung und Landesgeschichte. Während man es bis ins 10. Jahrhundert mit einem typischen mittelalterlichen „Weiler“ mit landwirtschaftlichem Betrieb zu tun hat, verändert sich die Siedlung in Richtung auf eine gewerbliche Nutzung. Zeugnis dafür geben die zahlreichen Grubenhäuser mit Spuren der Weberei, wie sie sich in der Massierung nur an Pfalzen, Herrensitzen oder Fronhöfen wieder finden. Möglicherweise mit dem Sturz Herzog Heinrichs des Löwen 1180 findet die Webereisiedlung ein Ende. Statt dessen gibt es nur noch wenige Gebäude und Brun­nen. Auffällig ist nun das umfangreiche Tierknochenmaterial mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Pferdeknochen, namentlich von jungen Hengsten. Mutmaßlich handelt es sich um die Reste von Botenpferden (parafredi!), die sicher nicht nur von der Besatzung der nahen Burg Lichtenberg benutzt worden sind.