Ende einer Ära Andreas Wendowski-Schünemann ist in den Ruhestand gegangen

Zum Ende des Jahres 2019 hat Andreas Wendowski-Schünemann seinen Ruhestand angetreten. 34 Jahre lang war er Motor und Gesicht der Stadtarchäologie Cuxhavens gewesen, hatte die reiche Fundlandschaft des Stadtgebiets dokumentiert, zahllose Ausgrabungen durchgeführt und Kooperationsprojekte betreut.

Nach Cuxhaven kam der gebürtige Hamburger gleich nach seinem Magister-Examen 1985 im Rahmen einer befristeten Stelle. Damals wurde das Schloss Ritzebüttel saniert und bei dieser Gelegenheit auch archäologisch untersucht. Wendowski-Schünemann sollte zudem archäologische Denkmäler und Fundplätze im Stadtgebiet erfassen. Die große Anzahl an Fundplätzen und die enorme Menge an archäologischen Funden ließ schnell deutlich werden, dass die Erfassung nicht in der befristeten Zeit erfolgen konnte. Für die Erfüllung der Aufgaben als Untere Denkmalbehörde benötigte die Stadt zudem einen hauptamtlichen Archäologen. Daher kam es zu einer Überleitung in eine unbefristete Stelle.

Seither hat AWS, wie ihn viele Kollegen nennen, die Erforschung der prähistorischen Geschichte des „nassen Dreiecks“ zwischen Elbe und Weser ein entscheidendes Stück vorangetrieben. Zwar waren im Stadtgebiet Cuxhavens auch schon vor seiner Bestallung als Stadtarchäologe Fundplätze untersucht und zahlreiche Funde geborgen worden, eine grundsätzliche Struktur und Logistik als Basis für systematische archäologische Untersuchungen fehlte jedoch. Ebenso gab es erheblichen Nachholbedarf
hinsichtlich der Erfassung und konservatorischen Betreuung der Altfunde. Mit der ihm eigenen ruhigen Beharrlichkeit ist es AWS gelungen, trotz finanzieller Engpässe die Stadtarchäologie Cuxhavens auch für die Zukunft hervorragend aufzustellen.

Andreas Wendowski-Schünemann hat seine vielschichtige archäologische Tätigkeit nicht nur in einer langen Liste an eigenen Publikationen dokumentiert, sondern auch immer wieder Diplom- oder Magisterarbeiten angeregt und unterstützt. Als Netz werker im positivsten Sinne hat er es verstanden, Universitäten und Forschungsinstitute in seine Arbeit mit einzubinden. Dies gilt nicht nur für archäologische Ausgrabungen z. B. am Duhner Ringwall oder am Gal genberg in Cuxhaven-Sahlenburg, sondern auch für die Klärung siedlungsgeschichtlicher Aspekte durch Pollenanalysen im Scharmoor und Penworthmoor oder für bodenkundliche Untersuchungen.

Ein wichtiges Anliegen war es AWS dabei immer, auch einem breiten Publikum den inhaltlichen Zugang zu archäologischen Fundstellen zu ermöglichen. So entstanden archäologische Wanderpfade in Berensch und Altenwalde. Ein Pavillon in Altenbruch ist Informationszentrum nicht nur für Geschichte und Bedeutung des über 800 Jahre alten Hadelner Seebandsdeichs, sondern veranschaulicht auch die Ergebnisse der Ausgrabung 2008/9 zum schrittweisen Ausbau dieses wichtigen Bollwerks gegen die Nordsee.

Mit der Eröffnung einer Ausstellung zur Mittelalter-Archäologie Cuxhavens hat sich AWS nun offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Nun habe er nach eigenem Bekunden endlich Zeit, bisher noch unbearbeitete Cuxhavener Fundkomplexe aufzuarbeiten.